Kriegsgräbereinsatz 18.-29.06.2007 in Forst
Mit einer Kranzniederlegung endete auf dem Friedhof Groß Bademeusel im Kreis Forst / Lausitz der fast zweiwöchige Einsatz von Bundeswehr-Reservisten aus Dortmund, Bochum und Brilon. Zuvor waren fünf Gefallene, die nach dem Durchbruch der 1. Ukrainischen Front über die Neiße bei Klein Bademeusel am 16./16. April 1945 notdürftig begraben worden waren, nach Einrichtung einer neuen Grablage auf dem Soldatenteil des Friedhofes der Gemeinde Groß Bademeusel umgebettet worden. In dieser Aktion nahmen die Reservisten gleichzeitig auf der Kriegsgräberstätte drei Gräber von gefallenen Rotarmisten in Pflege und Gestaltung.
Der Einsatz der Reservisten der Kreisgruppe Unna halten hier an einer alten Tradition fest. Seit vier Jahren nehmen sie Urlaub und kommen nach Forst, um Kriegsgräber zu pflegen oder neu herzurichten. Die ehemaligen Wehrpflichtigen und Zeitsoldaten waren schon in Keune und wiederholt auf den Kriegsgräberstätten des Hauptfriedhofes in Forst tätig. Dieses Mal wurde die Gruppe durch den Kommandoführer (KdoFhr.) Matthias Krebbers (im Zivilberuf diplomierter Sozialarbeiter) aus Dortmund geführt.
Auf den Kriegsgräberstätten in Forst – oberhalb des Oktagon wurden Grabsteine von Bewuchs befreit, gereinigt und die Beschriftung erneuert. In Groß Bademeusel richteten die Reservisten die Kriegsgräberstätte für 18 deutsche und drei russische Soldaten neu her und pflanzten einen Ginko als Friedensbaum. Mit 2.600 Euro unterstützte das Land Brandenburg die Arbeiten. Zu der traditionellen Kranzniederlegung am Ende dieses Arbeitseinsatzes erschienen dieses Mal mehr Besucher als sonst, was einen besonderen Grund hatte:
Dieses Mal wurde aufgrund von Zeitzeugenaussagen nach Grablagen gefallener Soldaten gesucht. Diese sollten „in Feldlage“ bei Klein Bademeusel bestattet worden sein. Die Kriegsgräberstätte bei einem Familiengrab war nur über ein Privatgrundstück zu erreichen. Sechs Soldaten sollten dort nach bisherigen Erkenntnissen liegen. Es wurden fünf Gebeine gefunden, von denen drei noch vor Ort identifiziert wurden. Nach Auskunft des die Aktion begleitenden Umbetters – Erwin Kowalke – wurde vermutlich ein Gefallener bereits nach dem Krieg „heimgeholt“. Die Kenntnisse des sich schon im Ruhestand befindenden Umbetters sind noch heute international gefragt.
Eigentlich führt die Gräberliste der Deutschen Dienststelle – vormals Wehrmachtsauskunftsstelle (WAST) in Berlin, wo die Schicksale und Verläufe (Vita) deutscher Soldaten archiviert wurden, für Klein Bademeusel neun Gefallene auf. Obwohl das gesamte Gelände – fast 40 Quadratmeter – mit Handsonden untersucht und bis auf ca. 1,50m Tiefe ausgehoben wurde, konnten keine weiteren Gebeine gefunden werden. Es könnte also durchaus sein, dass noch drei oder vier Gefallene an bisher nicht bekannten Stellen liegen. Die Neiße war im Frühjahr 1945 Hauptkampflinie. Als die 1. Ukrainische Front am 16. und 17. April über die Neiße vordrang, wurde auf beiden Seiten ein hoher Blutzoll entrichtet.
M. Krebbers, der diesen Einsatz für die Reservisten vorbereitete, recherchierte lange vor dem Einsatz, wertete Tagebuchnotizen deutscher und russischer Soldaten aus. Man schätzt, dass nach über 60 Jahren ca. 20.000 Soldaten in Brandenburg „in Feldlage“ liegen. Im April 1945 war wenig geordnet. In diesen Tagen war es unnatürlich warm. Nach Zeitzeugen betrugen die Temperaturen 30 Grad.
Insgesamt wurden im Stadtgebiet Forst über tausend Soldaten begraben. Die Stadt Forst unterhält 20 Kriegsgräberstätten. Inzwischen gibt es keine bekannten Feldstätten mehr. Unter den Gedenksteinen in den Wäldern, die zur Gemeinde Forst gehören, liegen keine Toten mehr. Sie wurden bereits umgebettet, was gut ist; denn immer noch kommen Grabräuber, öffnen die Gräber, entnehmen Erkennungsmarken, persönliche Habe der Gefallenen, was eine Identifizierung zu einem kriminalistischen Akt macht.
Die Bundeswehrbeauftragten des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge in Brandenburg – Oberstleutnant a.D. Max-Georg Freiherr von Korff – stellte die fast einmalig scheinende gute Zusammenarbeit von Alice Rohn von der Stadtverwaltung Forst, in deren Zuständigkeitsbereich die Kriegsgräber fallen, und den Reservisten aus Dortmund, Bochum und Brilon heraus. In das „Totengedenken“ des nordrheinwestfälischen Bundeswehrbeauftragten des Volksbundes – Oberstleutnant a.D. Roland Schmitt – wurden alle Opfer von Krieg, Verfolgung, Haß, Terror einbezogen.
Die Reservisten nach dem „Warum“ dieser Einsätze gefragt, erklärten es auf ihre Weise. Den Gefallenen und den durch Kriegseinwirkung umgekommenen Zivilpersonen eine würdige Ruhestätte, den Hinterbliebenen in der zweiten oder schon dritten Generation Gewissheit über ihre Toten und einen Ort der Andacht, der Einkehr, des inneren Friedens zu geben.
Die Reservisten der Kreisgruppe Unna vor der restaurierten und der neuen Grabanlage
in Groß Bademeusel
Es nahmen teil (von links):
Fritz Schackmann (Fw.), Horst Dux (Uffz.), Matthias Krebbers (Fhj.), Martin Haeseler (OGefr.), Thomas Reinelt (Gefr.), Ferdinand Dohle (HGefr.), Hubertus Kessebohm (OMt.), Hans Böhle (Fw.), Jörg Elbeshausen (OFw.)







